Tag-Archiv für 'Ausland'

Bericht aus Zentralasien

Ich bin jetzt seit 4 Wochen in Zentralasien und immer noch ist alles ziemlich faszinierend. Seit 2 Wochen arbeite ich nun im Institute for Power Engineering und Telecommunication, meine Arbeitsstelle ist ziemlich entspannt. Ich bekomme 15000 Tenge im Monat, das sind in ungefähr 100 Euro und entspricht in etwa dem Verdienst eines Mitarbeiters am Institute. Meine Arbeitszeit kann ich ziemlich frei wählen, meist arbeite ich von 10.30 bis 16.00 Uhr, mit einer halben Stunde Mittag. Im Institut gibt es zum Glück Internet, allerdings nur spärlich mit Proxy und Quota, also Mengenbeschränkung.

Meine Aufgabe ist es, einen Informations-Webserver für die Studenten des Institutes zu installieren. Außerdem ist mein betreuender Professor an einer Websoftware zur Verwaltung der Noten der Studenten interessiert, da er gesehen hat, wie ich mich im System der HTW angemeldet habe um meine Prüfungsergebnisse abzurufen. Diese habe ich im Übrigen alle bestanden. Die Arbeitsatmosphäre ist sehr locker, ich habe einen Arbeitsplatz in einem Computer-Klassenraum und sitze dort mit dem Administrator des Rechner-Pools. Der versteht sogar ein wenig Englisch und auch seine Arbeit ist ziemlich entspannt, da die Semesterferien bis Ende August Ferien andauern, und deshalb nur spärlich Studenten am Institut sind. Alles ziemlich entspannend.

Almaty

In Almaty gibt es auch Internetcafés, ich hatte in der ersten Zeit in Kasachstan allerdings noch keine Gelegenheit eine Weile im Internetcafé zu verbringen. Wenn ihr das hier lest, habe ich Netzzugang gefunden.

Almaty ist viel moderner als von mir ursprünglich erwartet, es gibt viele Gemeinsamkeiten im Vergleich zu Europa, allerdings auch einige Unterschiede.

Es gibt Supermärkte mit einem mit Europa vergleichbaren Angebot, man kann für Preise, die allerdings teurer sind als in Europa, deutsche, französische und italienische Markenprodukte kaufen. Die einheimischen Lebensmittel und Produkte sind viel günstiger und erschwinglich. Es gibt viele Märkte und Basare, die Produkte dort sind von chinesischer Qualität und sehr günstig, oder von besserer Qualität und im Vergleich teuer.

Der Verkehr in der Stadt ist der Wahnsinn, hier hat niemand etwas von TÜV gehört, voll getönte Scheiben in alten klapprigen Autos sind kein Problem. Die Straßen sind in der Stadt zum Großteil ordentlich asphaltiert und gespurt, die Spurkennzeichnung ist aber in keiner Weise zwingend. Der Verkehr ist meist sehr dicht, geblinkt wird selten, gehupt viel eher. Viele der Autos fungieren ohne spezielle Kennzeichnung als Taxi, man stellt sich einfach an den Straßenrand winkt, verhandelt mit dem Fahrer über Ziel und Preis und fährt dann mehr oder weniger sicher an sein Ziel. Anschnallen tut sich in Kasachstan fast keiner. Ein nicht vernachlässigbarer Teil der Autos sind Rechtslenker, da diese als Importe aus Ostasien im Vergleich günstiger sind. An Tankstellen wird man von einem Tankwart betankt, Self-Service wie in Europa gibt es hier nicht.

Es ist sehr günstig mit dem Bus unterwegs zu sein, man bezahlt pro Fahrt 40 Tenge, das entspricht ungefähr 25 Cent. Jeder Bus hat neben dem Fahrer einen Kassierer, der die Haltestellen während der Fahrt ansagt und den Fahrpreis einsammelt. Die Bushaltestellen sind allerdings sehr unübersichtlich, Busfahrpläne und Linien sind an fast keiner Bushaltestelle ausgeschrieben. Um an sein Ziel zu kommen ist man auf Intuition und Erfahrung angewiesen, zur Not muss man Nachfragen bzw. die Aufschriften der Busse beachten. Es gibt sehr viele Busse und Linien, obwohl die Straßenzüge Manhattan-mäßig sehr regelmäßig aufgebaut sind und es quasi nur 10-15 Hauptstraßen gibt. Viele der Busse, die hier fahren, sind sehr alt und ausgemusterte europäische Modelle. In der letzten Woche habe ich deutschsprachige Werbung für Geschäfte in Köln und Liniennetzpläne für Hamburg von 1991 in den Bussen gesehen. Fast jede Bushalte im inneren Stadtgebiet hat einen Kiosk, oder ein Kiosk ist nicht weit entfernt.

Bergwandern

Heute ist schon wieder Freitag, der letzte Tag des Ausfluges an den Issyk-Kul. Die Tage hier sind unheimlich dicht, es gibt so viel zu erleben und ist so spannend. Ich war diese Woche einen Tag in Bishkek, der Hauptstadt von Kirgisistan, habe Bazare besucht und sozialistische Monumentalarchitektur bewundert. Untergebracht ist unsere Gruppe in Cholpon-Ata, nicht unweit vom Strand.

Wir haben diese Woche in einer kleineren Gruppe zwei selbstorganisierte Wanderausflüge unternommen, einen Tagesausflug und einen Ausflug mit Übernachtung in den Bergen, mit Lagerfeuer und Sternenhimmel. Am Donnertag bin ich dann auf einen ziemlich hohen Berg nördlich von Cholpon-Ata gestiegen, von dem ich allerdings den Namen nicht weiß, da alles ziemliche Wildnis ist. Heute ist der erste richtige Regentag, den ich seit knapp 5 Wochen erlebe, da das Wetter in Deutschland in den 3 Wochen vor meiner Ankunft in Kasachstan ziemlich gut war, und in Almaty selber immer Sonnenschein mit Temperaturen von ungefähr 30 Grad tagsüber waren.

Die restliche Zeit habe ich mit den anderen Studenten am Strand oder in unserem Bungalow verbracht, meine Englischkenntnisse werden nach dem Studentenaustausch bestimmt besser sein. Meine Russisch-Kenntnisse sind immer noch sehr schlecht, mittlerweile kann ich aber die Buchstaben langsam entziffern und verstehe manchmal die Zahlen für Preise usw.

Heute Abend geht es schon wieder zurück nach Almaty, Nachtfahrt im Bus über ziemlich holprige Straßen, wahrscheinlich werde ich nicht viel Schlaf bekommen.

Mir geht es zur Zeit also ziemlich gut, der Komfort ist bei ziemlich vielen Sachen zu Hause zwar größer, die Erlebnisse hier sind aber ziemlich spannend.

Kirgisistan

Dienstag war ich mit anderen europäischen Studenten in der Stadt unterwegs, wir habe versucht uns ein Museum für Musikinstrumente anzuschauen: Am Montag hatten die anderen Studenten bei einem Besuch des Museums gesagt bekommen, dass Montag Ruhetag wäre, Dienstag war das Museum dann für lange Zeit wegen Renovierung geschlossen. Kasachstan scheint manchmal ein wenig absurd zu sein. Als Alternative waren wir dann ein Museum für Militärgeschichte besuchen, anscheinend waren wir aber die ersten Besucher seit langer Zeit, die Ausstellung war schon sozialistisch angehaucht und sehr antiquiert. Anschließend waren wir noch auf verschiedenen Märkten, ich habe eine Sonnenbrille für 500 Tenge gekauft.

Am Mittwoch haben wir eine Wandertour zum Almaty Lake unternommen, einem angestauten See in den Bergen überhalb von Almaty. Aus der Stadt hinaus sind wir mit Bus (40 Tenge) und Taxi (450 Tenge) zum Startpunkt unserer Wanderung gefahren, der auf ungefähr 2000 Meter Höhe lag. Von da aus sind wir über einen relativ steilen Anstieg entlang einer großen Pipeline für Wasser zum See auf 2500 Meter aufgestiegen. Das Wasser des Sees hatte eine Temperatur zwischen geschätzten 4 und 10 Grad, was uns allerdings nicht von einem kurzen Schwimmversuch abgehalten hat. Das Wetter und die Aussicht auf die umliegenden Berge war fantastisch.

Am Donnerstag wollte ich eigentlich meine IAESTE-Betreuerin treffen und mit ihr das Institut besuchen, in dem ich arbeiten werden. Nachdem ich bis Mittag im Studentenwohnheim gewartet hatte, wurde mir allerdings per Kurznachricht abgesagt. Also war ich mit anderen Studenten noch in der Stadt unterwegs, am Abend sind wir mit der Seilbahn auf einen Aussichtspunkt oberhalb der Stadt gefahren und haben dort den Sonnenuntergang über der Stadt verfolgt.

Freitag nochmal ein wenig in der Stadt hin und her, ich weiß jetzt für Notfälle wo die deutsche Botschaft ist, später dann für den Wochenausflug nach Kirgisistan packen.

In der Nacht von Freitag zu Sonnabend sind wir alle zusammen nach Kirgisistan gefahren, den Nachmittag habe ich am Issyk-Kul, dem zweitgrößten Bergsee der Welt, badend am Strand verbracht.

Über meine Arbeit hier unten weiß ich noch nichts genaueres, diese Woche ist nun erstmal Urlaub angesagt, ich will Ausflüge in die Berge machen und Bishkek besuchen. Laut Angabe der anderen Studenten sind die Arbeiten allerdings nicht allzu anspruchsvoll, die Atmosphäre locker und es bleibt Zeit um die Gegend zu erkunden.

Kasachstan

Hintergrund: Im Sommer 2006 war ich während meines Studium zum IAESTE-Studentenaustausch in Almaty, Kasachstan. Die Beiträge habe ich dort geschrieben und zumeist nachträglich beim entsprechenden Datum eingefügt, da nicht immer Internet vorhanden war.

Seit ich letzten Montag in Kasachstan angekommen bin, habe ich so viel erlebt, dass kaum Zeit war etwas aufzuschreiben. Das möchte ich jetzt nachholen.

Zu allererst: Mir geht es hier gut, von Dienstag bis Freitagabend war ich in Almaty, habe in der Stadt und Umgebung mit den anderen europäischen Studenten Ausflüge unternommen und mich ein wenig eingelebt. Die Gruppe der IAESTE-Studenten hier ist multieuropäisch, es sind Studenten aus Deutschland, Portugal, Norwegen, Dänemark, Spanien, England, Italien, Polen, Finnland und der Schweiz hier. Untereinander wird Englisch gesprochen, ein paar Studenten haben Russisch-Kenntnisse und können weiterhelfen, wenn mit Einheimischen geredet wird, da diese eher selten Englisch sprechen.

Der Flug von Frankfurt über Istanbul nach Almaty verlief ohne Probleme. Trotz der Tatsache, dass es mein erster Flug war und ich vorher ein wenig nervös war, hat das Fliegen mit Turkish Airlines Spaß gemacht. Der Flug war für mich sehr unproblematisch, die Flughäfen in Frankfurt und Istanbul sind sehr viel besser organisiert als jeder Bahnhof den ich kenne und alles war wirklich einfach.

Untergebracht bin ich mit den anderen in einem Studentenwohnheim, zwei Personen teilen sich jeweils ein Zimmer. Die Ausstattung ist einfach, aber es gibt sogar eine kleine Küche mit einem Herd. Viele einheimische Studenten habe ich allerdings noch nicht getroffen, anscheinend sind zur Zeit Ferien oder sie sind andernorts untergebracht.

In Almaty habe ich eine kasachische Mobilfunknummer (Prepaid-Anbieter: Beeline, 1000 Tenge für die SIM-Karte mit 700 Tenge Startguthaben). Umtauschkurs ist etwa 1 Euro in 150 Tenge. An verschiedene Mobilfunknummern in Deutschland kann ich aber anscheinend keine Kurznachrichten schicken.

Nachtrag: In Kirgisistan funktioniert die kasachische Karte gar nicht. Das ist sehr schade, da ich von dort keine Nachrichten nach Deutschland schicken kann.