Monats-Archiv für August 2006

Bericht aus Zentralasien

Ich bin jetzt seit 4 Wochen in Zentralasien und immer noch ist alles ziemlich faszinierend. Seit 2 Wochen arbeite ich nun im Institute for Power Engineering und Telecommunication, meine Arbeitsstelle ist ziemlich entspannt. Ich bekomme 15000 Tenge im Monat, das sind in ungefähr 100 Euro und entspricht in etwa dem Verdienst eines Mitarbeiters am Institute. Meine Arbeitszeit kann ich ziemlich frei wählen, meist arbeite ich von 10.30 bis 16.00 Uhr, mit einer halben Stunde Mittag. Im Institut gibt es zum Glück Internet, allerdings nur spärlich mit Proxy und Quota, also Mengenbeschränkung.

Meine Aufgabe ist es, einen Informations-Webserver für die Studenten des Institutes zu installieren. Außerdem ist mein betreuender Professor an einer Websoftware zur Verwaltung der Noten der Studenten interessiert, da er gesehen hat, wie ich mich im System der HTW angemeldet habe um meine Prüfungsergebnisse abzurufen. Diese habe ich im Übrigen alle bestanden. Die Arbeitsatmosphäre ist sehr locker, ich habe einen Arbeitsplatz in einem Computer-Klassenraum und sitze dort mit dem Administrator des Rechner-Pools. Der versteht sogar ein wenig Englisch und auch seine Arbeit ist ziemlich entspannt, da die Semesterferien bis Ende August Ferien andauern, und deshalb nur spärlich Studenten am Institut sind. Alles ziemlich entspannend.

Almaty

In Almaty gibt es auch Internetcafés, ich hatte in der ersten Zeit in Kasachstan allerdings noch keine Gelegenheit eine Weile im Internetcafé zu verbringen. Wenn ihr das hier lest, habe ich Netzzugang gefunden.

Almaty ist viel moderner als von mir ursprünglich erwartet, es gibt viele Gemeinsamkeiten im Vergleich zu Europa, allerdings auch einige Unterschiede.

Es gibt Supermärkte mit einem mit Europa vergleichbaren Angebot, man kann für Preise, die allerdings teurer sind als in Europa, deutsche, französische und italienische Markenprodukte kaufen. Die einheimischen Lebensmittel und Produkte sind viel günstiger und erschwinglich. Es gibt viele Märkte und Basare, die Produkte dort sind von chinesischer Qualität und sehr günstig, oder von besserer Qualität und im Vergleich teuer.

Der Verkehr in der Stadt ist der Wahnsinn, hier hat niemand etwas von TÜV gehört, voll getönte Scheiben in alten klapprigen Autos sind kein Problem. Die Straßen sind in der Stadt zum Großteil ordentlich asphaltiert und gespurt, die Spurkennzeichnung ist aber in keiner Weise zwingend. Der Verkehr ist meist sehr dicht, geblinkt wird selten, gehupt viel eher. Viele der Autos fungieren ohne spezielle Kennzeichnung als Taxi, man stellt sich einfach an den Straßenrand winkt, verhandelt mit dem Fahrer über Ziel und Preis und fährt dann mehr oder weniger sicher an sein Ziel. Anschnallen tut sich in Kasachstan fast keiner. Ein nicht vernachlässigbarer Teil der Autos sind Rechtslenker, da diese als Importe aus Ostasien im Vergleich günstiger sind. An Tankstellen wird man von einem Tankwart betankt, Self-Service wie in Europa gibt es hier nicht.

Es ist sehr günstig mit dem Bus unterwegs zu sein, man bezahlt pro Fahrt 40 Tenge, das entspricht ungefähr 25 Cent. Jeder Bus hat neben dem Fahrer einen Kassierer, der die Haltestellen während der Fahrt ansagt und den Fahrpreis einsammelt. Die Bushaltestellen sind allerdings sehr unübersichtlich, Busfahrpläne und Linien sind an fast keiner Bushaltestelle ausgeschrieben. Um an sein Ziel zu kommen ist man auf Intuition und Erfahrung angewiesen, zur Not muss man Nachfragen bzw. die Aufschriften der Busse beachten. Es gibt sehr viele Busse und Linien, obwohl die Straßenzüge Manhattan-mäßig sehr regelmäßig aufgebaut sind und es quasi nur 10-15 Hauptstraßen gibt. Viele der Busse, die hier fahren, sind sehr alt und ausgemusterte europäische Modelle. In der letzten Woche habe ich deutschsprachige Werbung für Geschäfte in Köln und Liniennetzpläne für Hamburg von 1991 in den Bussen gesehen. Fast jede Bushalte im inneren Stadtgebiet hat einen Kiosk, oder ein Kiosk ist nicht weit entfernt.

Bergwandern

Heute ist schon wieder Freitag, der letzte Tag des Ausfluges an den Issyk-Kul. Die Tage hier sind unheimlich dicht, es gibt so viel zu erleben und ist so spannend. Ich war diese Woche einen Tag in Bishkek, der Hauptstadt von Kirgisistan, habe Bazare besucht und sozialistische Monumentalarchitektur bewundert. Untergebracht ist unsere Gruppe in Cholpon-Ata, nicht unweit vom Strand.

Wir haben diese Woche in einer kleineren Gruppe zwei selbstorganisierte Wanderausflüge unternommen, einen Tagesausflug und einen Ausflug mit Übernachtung in den Bergen, mit Lagerfeuer und Sternenhimmel. Am Donnertag bin ich dann auf einen ziemlich hohen Berg nördlich von Cholpon-Ata gestiegen, von dem ich allerdings den Namen nicht weiß, da alles ziemliche Wildnis ist. Heute ist der erste richtige Regentag, den ich seit knapp 5 Wochen erlebe, da das Wetter in Deutschland in den 3 Wochen vor meiner Ankunft in Kasachstan ziemlich gut war, und in Almaty selber immer Sonnenschein mit Temperaturen von ungefähr 30 Grad tagsüber waren.

Die restliche Zeit habe ich mit den anderen Studenten am Strand oder in unserem Bungalow verbracht, meine Englischkenntnisse werden nach dem Studentenaustausch bestimmt besser sein. Meine Russisch-Kenntnisse sind immer noch sehr schlecht, mittlerweile kann ich aber die Buchstaben langsam entziffern und verstehe manchmal die Zahlen für Preise usw.

Heute Abend geht es schon wieder zurück nach Almaty, Nachtfahrt im Bus über ziemlich holprige Straßen, wahrscheinlich werde ich nicht viel Schlaf bekommen.

Mir geht es zur Zeit also ziemlich gut, der Komfort ist bei ziemlich vielen Sachen zu Hause zwar größer, die Erlebnisse hier sind aber ziemlich spannend.